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1. Allgemeines über die Reportage
Die Reportage gilt als die „Königsdisziplin“ des Journalismus. Sie beschreibt einen aus der unmittelbaren Situation erwachsenen Augenzeugenbericht eines Ereignisses, der dessen Atmosphäre festhält und weitervermittelt. Somit umfasst die Reportage gleichermaßen Information und Unterhaltung. Eine Reportage kann aus Text bestehen oder aus Bild und Text (Fotoreportage), für Film und Fernsehen aus bewegten Bildern und gesprochenem Wort (Radio).

2. Theoretisches zur Reportage
Eine Reportage beginnt dann, wenn der Journalist die Agenturmeldung in den Papierkorb wirft, das Telefon ignoriert und seinen Schreibtisch verlässt. Soetwa könnte man den Reinigungsprozess beschreiben, den der Reporter durchlaufen sollte, um den Kopf von Daten und Zahlen frei zu bekommen. Denn jetzt kommt es auf seine Sinne an: Schließlich geht es bei einer Reportage um das Erzählen des Wahrgenommenen und nicht um das Berichten über ein Ereignis. Jeder Journalist empfindet demnach das Verfassen einer Reportage als willkommene Abwechslung zum eher von Fakten bestimmten Berichtschreiben. Trotz der Subjektivität zählt die Reportage zu den informierenden Darstellungsformen. Sie ist trotz persönlicher Färbung niemals erfunden, sondern hat immer Tatsachen zur Grundlage. Im Gegensatz zur Nachricht ist die Reportage dramaturgisch aufgebaut und hat damit auch unterhaltsamen Charakter. Der Anfang spielt eine große Rolle. Schon mit den ersten Worten sollte der Autor sein Publikum neugierig darauf machen, wie die „Geschichte" weitergeht.

3. Anlässe für eine Reportage
Die große Stärke der Reportage liegt in der Themenvielfalt. Grundsätzlich kann man über wirklich alles eine Reportage schreiben, denn mindestens genauso, wenn nicht noch bedeutsamer als das „Was“, über das man schreibt, ist das „Wie“. Die Kunst einer guten Reportage liegt demnach in der Art der Präsentation. Ein origineller und fesselnder Einsteig, die genaue und durchaus lebhafte Beschreibung äußerer Umstände können genauso spannend sein, wie der Kern einer Nachricht. Demnach bietet all das einen Anlass zu einer Reportage, das eine Geschichte in sich birgt. Aufgabe des Schreibers ist es, diese Geschichte auf Papier zu bringen und den Leser von Beginn an zu überzeugen, dass es Sinn und Spaß macht, diese Geschichte zu lesen. Die gängigsten Anlässe zu einer Reportage bieten
- Hintergrundinformationen zu einem Ereignis, über das bereits in Bericht- oder Nachrichtenform informiert wurde („Hinter den Kulissen von...“) oder über das die Reportage neben aller Unterhaltung auch berichten möchte.
- Personen, denen etwas nicht Alltägliches widerfahren ist
- sogar Personen, denen etwas Alltägliches widerfahren ist.
- Reisen, besondere Unternehmungen
- Beobachtungen aus dem Alltag
Es gibt keine thematische Beschränkung, allerdings kann die Reportage immer nur ein Thema und nicht mehrere Themen behandeln.

4. Sprache der Reportage
„Wer eine Reportage schreibt, fotografiert mit Worten“ – getreu diesem Motto sollte sich der Schreiber einer Reportage im Klaren sein, dass er seine Eindrücke auch bildhaft übermitteln muss. Mit abwechslungsreichen und vielen beschreibenden Adjektiven gibt er dem Leser das Gefühl, live vor Ort zu sein. Grundsätzlich geht es also darum, Informationen bildhaft zu vermitteln und nicht darum, mit besonders schönen Formulierungen Eindruck zu machen. Um den Leser über die Schultern des Autors blicken zu lassen, gibt es einige Tricks.
Gerade zum Beginn der Reportage ist es wichtig, den Leser mit „auf die Reise“ und damit an den Ort des Geschehens zu nehmen.
Beispiel: „Ein Haus hat gebrannt.“ Die Reportage beschreibt detailliert, wie es darin aussieht, und versucht, beim Rezipienten „Kino im Kopf“ ablaufen zu lassen. Er schildert die „versengten, schwarzen Treppengeländer, denen man nur schwer ansieht, dass sie aus Holz sind.“ Die Reportage kann auch versuchen, sprachlich die verschiedenen Sinne des Lesers zu wecken. („Das Atmen fällt schwer. Noch liegt schwefelartiger Geruch in der Luft. Das verkohlte Treppengeländer zerfällt unter der Hand. Das Feuer hat ganze Arbeit geleistet.“) Oft werden verschiedene Zeitformen verwendet, die gängigste ist neben dem Präteritum das Präsens.

5. Aufbau der Reportage
Wichtige Bestandteile der Reportage sind, dass sie - wie ein Augenzeuge - aktuell aus der unmittelbaren Situation heraus berichtet und deren unverwechselbare Atmosphäre einfängt. Sie versucht dabei die Fakten objektiv und zuverlässig, tendenz- und leidenschaftslos, meist kurz (und sprachlich oft im Präsens) wiederzugeben. Andererseits kommt als wesentliches Mittel der Darstellung die subjektive Sichtweise des Reporters hinzu. Für die Reportage entsteht damit ein charakteristischer Spannungsbogen, der vom objektiven Anspruch in der Theorie zum subjektiven Gestalten in der Praxis reicht. Dementsprechend ist eine Reportage deutlich länger als eine Nachricht, da die erzählende Zielsetzung viel Platz benötigt. Beim Aufbau der Reportage lassen sich zwei komplementäre Tendenzen festhalten: Zum einen ist die Information der Ausgangspunkt, um daran eine spannende Story anzuknüpfen, zum anderen bildet eine interessante Geschichte den Eingang, um in ihr zu vermittelnde Informationen einzubetten. Die zentrale Funktion der Reportage bleibt in jedem Fall die Vermittlung von spezifischen Ereignissen, die der Reporter (als Autor) für sein breites Publikum (als Adressat) besorgt und über das Medium „Zeitung“ vermittelt. Ein typisches Grundmuster kann demnach lauten: Aufmacher - Berichtkern - Schlusspointe

 
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Letzte Aktualisierung:  03.06.2009
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